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Evolution – Vom Wandern zum Trailrunning

Dieser Blogpost ist das Transkript bzw. die Zusammenfassung einer Podcast-Folge. Möchtest du lieber den Original-Podcast hören? Dann drück einfach auf Play oder lad dir die Folge für später herunter.

In der ersten Folge Lucky Trails dreht sich alles um die Frage: Wie kommt man eigentlich zum Trailrunning und wieso will man gerne einen Ultramarathon laufen?

Wir steigen direkt ins Thema ein und zwar genau mit der Frage: Wie kommt man eigentlich zum Trailrunning? Wie kommt man dazu diesen Sport machen zu wollen und speziell: wie kommt man eigentlich dazu Ultrarunning machen zu wollen? Also eine Distanz, die länger ist als ein Marathon.

 

Natürlich gibt es noch eine zweite Frage die man vielleicht ein kleines bisschen im Hinterkopf haben sollte und die ich mir auch selber manchmal stelle. Vielmehr höre ich diese Frage aber von anderen Personen: « Wieso tust du dir das? Wieso will man das machen?»

 

Bei mir war es so, dass es eigentlich wie eine langsame Entwicklung war. Als Jugendliche habe ich nicht so gerne Sport gemacht. («Nicht so gerne» ist ein bisschen untertrieben – ich habe es gehasst!) Ich habe mir selber Entschuldigungen für den Schulsport geschrieben. Es war wirklich die Hölle für mich. 2012 habe ich dann aber das Wandern für mich entdeckt. Am Anfang immer nur sporadisch, zum Beispiel am Wochenende und gemeinsam mit meinem Freund haben wir in den Ferien einwöchige Fernwanderungen gemacht. Hüttentouren und mit dem Rucksack durch die Berge – das hat uns gefallen. Diese Art der Bewegung haben wir sehr viele Jahre lang aktiv gemacht – und das machen wir auch heute noch gerne. Da sprechen wir aber in Folge 3 nochmal drüber, wenn es unter anderem um die Grundlagenausdauer geht. Ich bin nämlich fest davon überzeugt, dass ich damals schon angefangen habe, meine heutige Grundlage zu legen. Denn das ist es, was du für Ultrarunning brauchst: eine ganz tiefe Grundlagenausdauer und für die brauchst du einfach eines: Zeit.

 

Ein Umzug, der vieles verändert

2016 kam dann der Umzug in die Schweiz. Da ich anfangs nur sehr wenig gearbeitet habe, hatte ich sehr viel Zeit für andere Dinge – und manchmal auch schlichtweg Langeweile. Und da fing ich an zu laufen.

 

In Genf gibt es einen Altstadtrennen. Die Course de l'Escalade findet im Dezember statt, es ist also ziemlich kalt und es gilt nicht ganz fünf Kilometer durch die Altstadt von Genf zu laufen. Als ich zum ersten Mal von diesem Rennen hörte, dachte ich schon, dass mir das gefallen könnte. Also habe ich mich angemeldet. Und das Training für mein allererstes Rennen hatte begonnen!

 

Ich habe dafür damals einen ziemlichen Aufwand betrieben. Das war aber ganz logisch, denn ich war ja vorher nie gelaufen und hatte noch nie an einem solchen Wettkampf teilgenommen. Ausser Wandern hatte ich auch sonst nie gross Sport getrieben und darum fing ich wirklich bei Null an.  

 

Als der grosse Tag dann gekommen war, war ich natürlich wahnsinnig aufgeregt. Das Rennen selbst hat dann super geklappt und ich war natürlich extrem stolz auf mich – vor allem, weil ich die Strecke in weniger als einer halben Stunde absolviert hatte. Ein Riesenerfolg!

 

Weiter ging es danach für mich erstmal nicht. Ich lief, ab und zu, sporadisch, wie es mir gerade in den Kram passte und das ganze ohne grosses Ziel. Meistens bin ich bei mir im Wald vor der Haustüre laufen gegangen, oft habe ich einen Mix gemacht: zwei Minuten joggen, dann zwei Minuten gehen, dann wieder joggen und so weiter. An den Wochenenden fuhren wir viel in die französischen Alpen und mehr durch Zufall nahm ich dort 2017 an meinem ersten Trailrun-Event teil.

Ich war beim Marathon du Mont-Blanc in Chamonix dabei und habe dort mein erstes 10km-Rennen absolviert. 

 

Das Rennen war eine tolle Veranstaltung, aber ich hatte immer so eine kleine Stimme im Hinterkopf, die sagte:  «Zehn Kilometer ist ja gut und schön, aber es gibt ja Leute, die laufen noch viel weiter!»  Am Anfang fand ich das eine total die seltsame Vorstellung und gleichzeitig fand ich es cool. Für mich war das zu dem Zeitpunkt aber absolut unvorstellbar, dass man zum Beispiel einen Marathon laufen kann.

 

Der erste Halbmarathon

Nach ziemlich viel Hin und Her habe ich mich dann aber doch irgendwann getraut und habe mich zu meinem ersten Halbmarathon angemeldet. Im Endeffekt habe ich dafür aber deutlich weniger trainiert, als ursprünglich vorgesehen. Heute würde ich das anders machen

Acht Wochen vor Renntermin habe ich den Job gewechselt und bin in eine andere Stadt gezogen. Das war natürlich alles ziemlich aufregen. Mein Training war dementsprechend planlos und hat nur sagenhafte vier Wochen gedauert. Beim Rennen habe ich dann doch ziemlich gekämpft... Aber ich habe es geschafft und sogar relativ gut geschafft. Ich war zumindest zufrieden mit mir und das Glücksgefühl beim Zieleinlauf war natürlich enorm. 

Körperlich war ich ziemlich fertig, aber dieses Glücksgefühl hat mir gleich gezeigt: okay, das will ich wieder machen! Ich habe ziemlich bald angefangen zu suchen und mich dann für den nächsten Halbmarathon, 5 Monate später, angemeldet.

Klares Ziel: Ich wollte schneller sein. Ich habe es oft so erlebt, dass bei Strassenrennen die Geschwindigkeit extrem im Vordergrund steht. Es geht immer darum, ein bestimmtes Tempo zu schaffen, eine bestimmte Zielzeit zu erreichen. Und genau das ist einer der Gründen, warum ich irgendwann beim Trailrunning gelandet bin: Beim Trailrunning geht es viel weniger um die Zeiten, sondern mehr um den Genuss am Laufen. 

 

Kurz nach meiner Anmeldung zum zweiten Halbmarathon habe ich dann Lisa kennengelernt. Und Lisa ist tatsächlich massgeblich daran beteiligt gewesen, dass ich zum Trailrunning gefunden habe. Sie hat mir damals erzählt, dass sie mir ihrer Familie zum Eiger Ultra Trail fährt. Ich hatte bis dahin niemals was von Ultrarunning oder vom Eiger Ultra Trail gehört. (Hier findest du übrigens meinen Bericht zum erfolgreich abgeschlossenen ersten Ultramarathon.)

 

Berglaufen und Ultramarathon

Nachdem Lisa mir dann einiges davon erzählt hat, hatte ich Blut geleckt. Ich fand die Vorstellung, dass sie 16 km durch die Berge laufen würde unvorstellbar – und gleichzeitig fand ich es auch richtig cool. Leider gab es für den 16 km-Lauf keine Startplätze mehr, wohl aber für die Kategorie «Trail Surprise».

Surprise heisst in diesem Fall: man erfährt drei Tage vorher, wie weit die Strecke ist und wieviele Höhenmeter man zu bewältigen hat. Es gibt aber ein ungefähres Fenster, sodass man weiss, dass es nur ca. 10 bis 15 km sein werden und nicht mehr als 1000 Höhenmeter. 1000 Höhenmeter ist immer noch ein ganz schöner Anstieg, vor allem, wenn man noch nicht viel Erfahrung im Berglauf hat. 

Mir hat aber die Idee so gut gefallen, dass ich also am Trail Surprise teilgenommen habe.

 

Mein Fazit: ich war sofort begeistert. Ich fand das so schön, diese Strecken da durch den Wald zu laufen. Dann kommst du oben auf dem Gipfel an, du hast dieses Wahnsinnspanorama, wunderschöne Berge um dich herum und das ist eigentlich einer der Gründe, warum ich das immer noch mache und warum ich das Trailrunning so sehr liebe. Das ist echtes Genusslaufen. 

 

Diese Form des Laufens, hat mir beim Strassenrennen immer gefehlt. Vielleicht sogar einmal die Zeit haben ein Foto zu machen. Das mache ich sogar manchmal während eines Rennens. Und wenn ich die Aussicht so schön finde, dann bleibe ich manchmal einfach stehen und gucke. Ich gucke einfach oder ich mache ein Foto oder so, weil es einfach so schön ist und weil genau das für mich auch dazu gehört: geniessen und nicht nur auf den Fitness Tracker und auf die Zeit schauen. Genau das ist einer der Gründe warum ich mir das antue.

 

Nun gut, ich hatte aber jetzt ja noch diese zweite Halbmarathon-Anmeldung  gemacht. Das Rennen habe ich auch noch absolviert und ich war wirklich sehr zügig unterwegs. Ich war viel schneller, als ich es eigentlich geplant hatte, weil ich mich darauf zum ersten Mal mit einem Trainingsplan vorbereitet hatte. (Über Trainingspläne reden wir ein anderes Mal.) Aber ich hatte eben gleichzeitig wieder diese Stimme in meinem Kopf, die mir gesagt hat: das ist nicht das, was du machen willst. Was du eigentlich machen willst, ist das, was du da in Grindelwald gemacht hast. Einen Berg hinauf rennen, die Aussicht geniessen, über diese weichen Waldwege joggen und das einfach geniessen.

 

Ich habe also sehr viel darüber nachgedacht und immer wieder musste ich daran denken, dass dort Läufer*innen an den Start gingen über Distanzen wie 51km oder sogar 101km. Und während ich darüber nachdachte, reifte in mir der Gedanke: das ist das, was ich auch möchte! Und dann habe ich mich für eben diesen Ultramarathon angemeldet.

 

Die Anmeldung zum Eiger Ultra Trail lief damals noch nicht über ein Losverfahren. Man musste sich einfach pünktlich einloggen und bekam mit etwas Glück einen Startplatz – «first come, first serve» war also die Devise. Im Winter 2017 habe ich mich dann – mit Unterstützung meines Freundes – um einen Startplatz bemüht und am Ende hatten wir beide das Glück, einen Platz zu bekommen.

 

Am Anfang war das alles sehr surreal, aber dann irgendwann wurde mir klar: okay, jetzt wird's ernst!

Und dann haben sich mir natürlich wahnsinnig viele Fragen gestellt:

Was machen wir jetzt?

Worauf muss ich achten?

Wie bereiten wir uns eigentlich darauf richtig vor?

Wie trainiere ich am besten dafür?

Was brauche in an Ausrüstung?

 

Und so weiter und so fort...

 

Und weil das so ein grosses Thema ist, darum gibt es den Podcast Lucky Trails. Weil ich hoffe, dir bei deinem Start ins Trail- und Ultrarunning etwas von der Unsicherheit zu nehmen, die ich verspürt habe.

 

Zum Weiterlesen

Für intersport.ch durfte ich ebenfalls zum Thema «Vom Wandern zum Trailrunning» schreiben. Den ganzen Bericht findest du hier.

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