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Trailschuhe – Deine unverzichtbaren Begleiter

Dieser Blogpost ist das Transkript bzw. die Zusammenfassung einer Podcast-Folge. Möchtest du lieber den Original-Podcast hören? Dann drück einfach auf Play oder lad dir die Folge für später herunter.

Heute dreht sich alles um die Auswahl des richtigen Schuhwerks: Was unterscheidet einen Trailrunningschuh vom Strassenlaufschuh? Was ist die Sprengung? Was bedeutet Dämpfung? Und wo kaufe ich den Schuh am besten?

Eine Frage, die vor allem Einsteiger im Trail- und Ultrarunning beschäftigt, ist die Frage nach der richtigen Ausrüstung und vor allem dem richtigen Schuh. Aber auch für erfahrene Läufer macht es durchaus Sinn, sich regelmässig mit der Wahl des Schuhwerks auseinanderzusetzen – und vielleicht mal etwas Neues auszuprobieren.

Grundausrüstung fürs Trailrunning

 Zum Start ins Trailrunning brauchst du erstmal nicht viel. Beim Ultrarunning darf es dann schon ein kleines bisschen mehr Ausrüstung sein. Mit den folgenden Ausrüstungsgegenständen bist du auf jeden Fall gut vorbereitet:

  • gute Schuhe und damit einhergehend gute Socken
  • Stöcke, wenn du dich speziell fürs Berglaufen interessierst
  • einen gut sitzenden Rucksack bzw. eine Trailrunningweste falls du längere Distanzen planst
  • bequeme Laufbekleidung in der du dich wirklich wohlfühlst

Grundsätzlich kannst du deine ersten Läufe mit dem Material absolvieren, was du vielleicht schon zu Hause hast. Früher oder später (vermutlich früher) wirst du aber anfangen, das Material zu ersetzen und dann macht es Sinn, sich gezielt Gedanken zu machen, was du brauchst. Das hängt vor allem davon ab, auf welchem Terrain du hauptsächlich läufst, wieviele Kilometer du pro Woche zurücklegst bzw. wie lang deine Distanzen werden und auch, wie ambitioniert du unterwegs bist. Wenn du bestimmte Rennen läufst, dann gibt es Pflichtmaterial, dass du mitführen musst, zum Beispiel eine Kopfbedeckung wie eine Kappe, je nach Wetterlage Mütze und Handschuhe, meistens einen Regenschutz, eine Pfeife, einen wiederverwendbaren Becher usw. Um all diese Sachen kannst du dich aber kümmern, wenn es soweit ist.

 

Natürlich gibt es wichtige und weniger wichtige Ausrüstungsgegenstände und am wichtigsten ist sicher ein guter Trailschuh mit festem Halt und hoher Stabilität. Danach kommt für mich ein gut sitzender Rucksack oder eine Trailrunningweste für längere Distanzen mit Platz für dein Getränk, Wechselkleidung, Regenschutz, Essen & Erste Hilfe-Set.

Ziemlich gleichauf die Stöcke aus einem leichten Material, abgestimmt auf deine Grösse. (Hier gibts die Podcastfolge zum Thema Trailrunningstöcke.)

 

Im weiteren Verlauf deiner läuferischen Karriere kannst du dir dann Gedanken machen, ob du noch zusätzliche Laufbekleidung brauchst, zum Beispiel eine extraleichte Regenjacke, Kompressionsstrümpfe, Sonnenbrille, UV-abweisende Shirts usw.

 

Weil das allerwichtigste aber die Schuhe sind, legen wir heute den Fokus genau darauf. Am allerwichtigsten: Ein guter Trailschuh gibt dir Stabilität und sicheren Halt, auch in unebenem, rutschigem Gelände.

Trailschuh vs. Strassenlaufschuh

Den Hauptunterschied zwischen Trailrunningschuh und Strassenlaufschuh siehst du schon auf den ersten Blick. Der liegt nämlich in der Sohle. Der Trailschuh ist stärker profiliert als ein Strassenlaufschuh. Stell dir das ungefähr vor, wie den Unterschied zwischen einem Sommerreifen und einem Winterreifen. Der Winterreifen, alias der Trailschuh, gibt dir mehr Halt auf rutschigem Gelände. Das Profil setzt sich nicht so schnell zu und du verlierst nicht an Grip. Die weniger ausgeprägte Sohle vom Strassenlaufschuh ist von Natur aus rutschiger und darum nur bedingt für Trails geeignet. Wenn du viel auf Forstwegen läufst, kannst du eventuell mit einem Strassenlaufschuh einsteigen, früher oder später solltest du aber auf einen Trailschuh umsteigen.

Kleine Materialkunde

Auch die Materialien von Strassenlaufschuh und Trailrunningschuh unterscheiden sich. Oft sind Trailschuhe aus robusterem Material, weil sie eben mehr aushalten müssen, als so ein Strassenlaufschuh. Eventuell bist du in felsigem Gelände, auf Geröllfeldern oder auch mal durch Dornen unterwegs. Meinen letzten Schuh habe ich zum Beispiel in einem Dornengestrüpp zerlegt. Das Material im Zehenbereich war nach knapp 1000 km ziemlich brüchig und die Dornen haben ihm dann den Rest gegeben. Übrigens, den Schuh solltest du – je nach Beanspruchung – alle 800 bis ca. 1000 km austauschen. Das ist allerdings immer eine sehr individuelle Sache: Ich habe auch schon Schuhe nach 500 km aussortiert und andere eben erst nach knapp 1200km. Mein Tipp: In vielen Fitnessapps kannst du Ausrüstung eintragen und dann nachvollziehen, wie lange du die Ausrüstung schon benutzt. Bei dem Schuh, der im Dornengestrüpp den Geist aufgab, habe ich eigentlich schon vor dem Lauf gewusst, das dieser Schuh aussortiert werden sollte: Die Sohle war seitlich abgetreten, der Fersenbereich innen rechts hatte ein grosses Loch und vorne links am kleinen Zeh habe ich mir schlussendlich das Material aufgerissen.

 

Material ist ein super Stichwort: für den Winter habe ich zum Beispiel ein paar Schuhe mit einer GoreTex Membran um auch im Schnee oder Schneematsch laufen zu können. Im Sommer laufe ich einen Schuh ohne GoreTex, weil der Schuh atmungsaktiver ist. (Okay und weil ich dem Modell ohne GoreTex von der Passform her den Vorzug gebe.)

 

Ein Trailrunningschuh hat meistens auch eine verstärkte Zehenkappe und eine feste Fersenpartie, die deinen Fuss stabilisiert. Das sorgt für zusätzlichen Halt im Schuh und schützt dich in felsigem Gelände. Insgesamt ist der Trailschuh oft etwas schwerer, als ein leichter Strassenlaufschuh. Davon solltest du dich nicht verunsichern lassen wenn du das erste Mal einen Trailrunningschuh in der Hand hältst.

Die richtige Passform und Beratung

 Wenn der Schuh gut sitzt, dann hast du vorne noch etwa einen Daumen breit Platz. Sonst kann es passieren, dass du, speziell auf Bergab-Strecken vorne immer anstösst und im schlimmsten Fall den ein oder anderen Zehennagel einbüsst. Darum ist es besonders wichtig, den Schuh im Laden lange genug anzuprobieren.

Auf jeden Fall solltest du dich beim allerersten Kauf von einem Fachhändler beraten lassen, am besten natürlich bei einem lokalen Spezialisten, damit tust du auch deinem kleinen Sporthändler um die Ecke etwas Gutes. Oft sind die Schuhe zwar etwas teurer, aber die gute Beratung macht das wett. Bei meiner Erstberatung war ich zum Beispiel 1,5 Stunden im Laden.  Am besten machst du den Schuhkauf übrigens am Nachmittag, denn deine Füsse schwellen über den Tag leicht an. Wenn du spezielle orthopädische Einlagen tragen musst, so wie ich, dann solltest du die Einlagen natürlich mitnehmen (und beim Einpassen neuer Einlagen deine Trailschuhe mit zum Schuster nehmen!)

 

Die Beratung beim Fachhändler solltest du ausserdem regelmässig wiederholen. Ich bin zum Beispiel von einem wenig gedämpften Schuh mit einer hohen Sprengung nach ungefähr einem Jahr auf einen stärker gedämpften Schuh mit geringerer Sprengung umgestiegen. (Als Sprengung bezeichnet man übrigens die Höhendifferenz zwischen Vorderfuss und Ferse, also quasi wie steil dein Fuss im Schuh steh.) Bei mir war der Hauptgrund der, dass ich neue Einlagen bekommen habe und meinen Laufstil mehr auf den Vorfusslauf angepasst haben. Dadurch trete ich anders auf und bin mit den ursprünglichen Schuhen gar nicht mehr zurecht gekommen. Ich wollte ausserdem mehr Dämpfung, also ein ausgeprägteres Polster um bequemer auf Langstrecken unterwegs zu sein. (Die Frage nach dem richtigen Mass an Dämpfung ist aber auch viel Philosophie, für dich solltest du einfach rausfinden, was sich wirklich gut anfühlt, dann ist es egal, was andere Läufer sagen!)

 

Du siehst also, es kann viele Gründe geben, die es sinnvoll machen, den Schuh zu wechseln. Dein Körper und deine Laufergonomie verändern sich mit der Zeit. Du hast dann andere Bedürfnisse und darum macht es Sinn, regelmässig zu hinterfragen, ob du noch mit dem für dich besten Schuh läufst, oder ob du vielleicht mal etwas neues ausprobieren willst oder sogar solltest.

Achte doch bei deinem nächsten Lauf mal darauf, wie sich dein Schuh anfühlt und nimm dir beim nächsten Schuhkauf extra viel Zeit!

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